Das diesjährige Stück des Freifachs Theater widmete sich der Pause. Im hektischen Schulalltag ist dies ein Thema, das alle beschäftigt. Pause ist Alltag. Alle wissen, dass wir Pausen brauchen. Der Xylophon-Gong läutet mehrmals pro Tag aus den Lautsprechern der KME zur Pause. Alltag. Aber wie erholen wir uns wirklich? Was ist eine gute Pause? Welche Art von Pause brauchen wir zu welchem Zeitpunkt? Machen wir Pause, um mehr leisten zu können oder um uns selbst etwas Gutes zu tun? Welche Bedeutung hat das Nichtstun in unserem Leben? Schlummert im Nichtstun gar ein revolutionäres Potenzial? Ein Blick in die Gedankenwelt des Regisseurs und des diesjährigen Ensembles.

Anlässe – Theater

Theater um die Pause

Pause, Pause, Pause. Und Batterien. Als wir uns zu Beginn des Schuljahres im Freifach Theater darüber austauschten, was uns beschäftigt, häuften sich bald einige Themen, zu denen wir dann improvisierten. Wir suchten nach Parallelen zwischen Batterien und uns: Von aussen unscheinbar, wandelt sich das Innere einer Batterie ständig durch die darin stattfindenden Reaktionen. Müssen auch wir, wie Bleibatterien, gelüftet werden, um nicht zu explodieren? Fehlt es uns an Batterieleistung oder fehlt nur der richtige Stecker? Schliesslich war klar, man kann nicht über die Batterie reden, ohne zuerst über die Pause zu reden.

Viel zu selbstverständlich sprechen wir über unseren Antrieb, unser Schaffen, unser Lernen und die Arbeit. Oder wir beklagen uns in ulkigen Alltagsfloskeln, ohne jedoch irgendetwas an unbefriedigenden Situationen zu ändern. Wenn es ums Thema Pause geht, sind wir hinter den Ohren grüner als der spriessende Frühling draussen. Auf diesem unsicheren Terrain des Innehaltens verweilten wir und fragten uns: Wie soll man zur gesunden Pause finden? Wie zur Ruhe kommen und wann? Zwischendurch konsultierten wir mal kurz die Pausenwissenschaft.

Ein paradoxes Zwischenphänomen

Die Zürcher Kulturwissenschaftlerin Gabriela Muri hat zum Thema Pause promoviert und beschreibt die Pause als paradoxes Zwischenphänomen, welches eine Nicht-Handlung intendiert, alltagspraktisch aber mit Handlung gefüllt werde. Auch beleuchtet sie, wie die Pause seit der Einführung der industriellen Zeitdisziplin zur noch effektiveren Ausbeutung der Arbeiter:innen benutzt wurde. Zitiert wird Karl Marx, der dazu auffordert, den Kapitalisten durch selbstbestimmte Pausen zu bestehlen.

Und wir heute – sind wir weiter? Machen wir Pause wirklich für uns selbst? Und was heisst das konkret – Pause für uns selbst machen? Können wir das überhaupt? Oder lassen wir uns durch von aussen verordnete Pausen bestimmen? Warten wir nicht alle bloss darauf, dass der vertraute Xylophon-Gong mit der ersten Quinte aufwärts uns die Entscheidung abnimmt? Anstatt zu warten, bis es Pause läutet, haben wir selbstbestimmt damit begonnen, nichts zu tun. Wie John Cage haben wir 4 Minuten und 33 Sekunden lang nichts gemacht. Und es wurde deutlich, was Cage sagte: Das Nichts ist nicht nichts, sondern eine ganze Fülle an Dingen, die wir aber normalerweise nicht wahrnehmen, weil wir nicht hinhören.

Auf zur letzten Pause!

Schlussendlich stellt sich die Frage, für wen auf dieser Welt es denn so wichtig ist, dass wir immer weitermachen, nicht hinhören und nicht zur Ruhe kommen. Man könnte fast meinen, die Menschen haben Angst vor einer Pause. Vor einer riesigen gesellschaftlichen, internationalen, revolutionären Pause: Völker hört den Pausengong! Auf zur letzten Pause!

Und dann plötzlich aus dem Nichts löst sich die Spannung. Rational erklären können wir das nicht. Aber wir müssen uns nicht mehr erklären. Unser Körper hat die Regie übernommen. Wir fläzen uns getrost auf unseren Chill-Sessel und existieren einfach mal eine Runde. Und Sie – Sie sollten sich nach dieser deftigen Lektüre jetzt ein schönes Päuselchen gönnen.

Text: Joel Franz
Bilder: Roberto Huber