Die KME verliert mit der Pensionierung von Matthias Schaedler eine gewichtige Stimme. Wir werden sie vermissen, aber sie wird bei Lehrenden und Lernenden noch lange nachklingen.

Menschen – Matthias Schaedler

Kunst, Musik und Sprache


Der Gesamtkonvent ist das Parlament der Schule. Zwei- bis dreimal im Semester beruft die Konventsleitung sämtliche Lehrpersonen sowie delegierte Lernende ein. Die Schulleitung informiert, der Konvent diskutiert und trifft Beschlüsse.

Wenn so viele Menschen in einem Raum versammelt sind, wird es rasch allzumenschlich. Lässt man also seinen Blick durch die Aula schweifen, so schauen die einen gelangweilt aufs Handy, während die anderen auf die Tastatur ihres Laptops hämmern. Ganz wenige schwatzen oder träumen vor sich hin. Aber es gibt auch jene, die aufmerksam zuhören, um dann, zu gegebenem Zeitpunkt, das Wort zu ergreifen. Letztere denken mit, reden mit und gestalten mit, und zu ihnen hat mit Sicherheit Matthias Schaedler gehört.

Im Konvent der KME hat der ehemalige Deutsch- und Philosophielehrer, der am 3. Juli 2025 feierlich verabschiedet wurde, sowohl die Rolle des Mitdenkers als auch jene des Mahners gespielt. Er machte sich für Projekte stark und unterbreitete Vorschläge. Er machte aber auch darauf aufmerksam, wenn die Schule seiner Meinung nach drohte, in die falsche Richtung zu gehen. Bevor er sprach, hatte er zugehört. Wenn er sprach, galt seine Aufmerksamkeit dem besten Argument, und wenn er wieder schwieg, hatte er meistens einige im Saal überzeugt.

«Matthias ermutigte seine Studierenden dazu, ihre Sprache in den Dienst des eigenen Denkens zu stellen.»

Das Sprechen war ihm nicht Selbstzweck. Er war bei der Sache und jenen, an die er sich wandte. Sei’s im Konvent, sei’s im Unterricht. Mehr als 25 Jahre hat Matthias Schaedler an der KME unterrichtet, er war in drei Fachschaften und unzähligen Kommissionen und Arbeitsgruppen aktiv, ja, er sang sogar manchmal im Chor mit. Wer seine Stimme so selbstverständlich in den Dienst der Sache und der anderen stellt, ist auch neugierig auf die Stimmen anderer. Matthias unterrichte nicht nur Sprache und philosophisches Denken, sondern er ermutigte seine Studierenden dazu, ihre Sprache in den Dienst des eigenen Denkens zu stellen.

Zunächst im Befragen dessen, was sich existentiell aufdrängt. Egal, ob er Deutsch, Philosophie oder den Grundkurs Sprache unterrichtete, im Zentrum seiner Lektionen stand immer das Gespräch, das Finden der eigenen Stimme und der Austausch der selbst formulierten Gedanken. Die Philosophie war ihm kein Sandkastenspiel. Sie hatte mit richtigen Menschen in einem richtigen Leben zu tun. Seine Rolle als Lehrer bestand folglich darin zuzuhören und junge Menschen dazu zu ermuntern, sich über das, was sie denken, fühlen und hoffen, mit anderen auszutauschen.

Diese positive Haltung Lernenden gegenüber hat ihn nie verlassen. Kulturkritische Bemerkungen, dass die jungen Menschen heute nicht mehr schreiben oder denken können, haben sich für ihn in all den Jahren nicht bestätigt. Kein Wunder, konnte er sie für seine Fächer begeistern. Einer, so sagte Matthias neulich, sei heute sogar an seiner Habilitationsschrift.

Kam Matthias aus dem Unterricht ins Lehrerzimmer, ging das Gespräch im Kreis der Kolleginnen und Kollegen am Mittagstisch weiter. Einander zuhören, nachfragen, Anteil nehmen. Hatte er eine Ausstellung oder ein Konzert besucht, sprach er kompetent und nicht ohne Leidenschaft über Kunst und Musik. Für beides wird er nun endlich mehr Zeit haben.

Text: Andreas Villiger
Bilder: Roberto Huber