Der 50. Geburtstag der KME fällt in eine Zeit des Umbruchs und des Wandels: Die Bildungslandschaft wird immer komplexer, eine Reform jagt die nächste und die Digitalisierung schreitet sprunghaft voran. Der Blick in die Vergangenheit kann helfen, die Orientierung zu behalten und die Optik für die aktuellen Herausforderungen zu schärfen.

Flexibilität in der Schulstruktur 

Um der Heterogenität und den verschiedenen Bildungshintergründen der Studierenden gerecht zu werden, wurden Einstieg und Besuch der KME von Anbeginn möglichst flexibel gestaltet. Ein viermonatiger Vorkurs sollte ein ausgeglichenes Niveau der Neulinge gewährleisten und deren Eignung prüfen. Damit die angehenden Studierenden ihre Jobs in dieser Einstiegsphase behalten konnten, fand der Vorkurs abends und an den Wochenenden statt. Für den weiteren Verlauf standen drei Varianten zur Auswahl, die als «presto», «andante» und «lento» bezeichnet wurden. Die erste Variante sah ein Jahr mit Abendschule sowie zwei Jahre mit Ganztagesunterricht vor; die zweite unterschied sich darin, dass das erste Jahr in einer Halbtagesvariante stattfand.

Der dritte Weg dauerte ein Jahr länger und umfasste zwei Jahre als Abend- und zwei Jahre als Ganztagesschule.  Allerdings konnte die «lento»-Variante wegen mangelnder Nachfrage nicht durchgeführt werden. Vor wenigen Jahren wurde das Basisjahr an der KME eingeführt und damit das Konzept des begleiteten Selbststudiums. Damit sollten eine flexiblere Kombination von Arbeitstätigkeit und Schulbesuch ermöglicht werden.

Die Frage, wie man den unterschiedlichen Bedürfnissen und Vorkenntnissen der Studierenden gerecht werden kann, stand im Mittelpunkt der Neuausrichtung der Teilzeit-KME. Als Schule des zweiten Bildungswegs wird die KME auch in Zukunft versuchen müssen, den unterschiedlichen Voraussetzungen der Studierenden Rechnung zu tragen und berufstätigen Erwachsenen den Universitätszugang zu ermöglichen.

Die ewige Diskussion um das Absenzenwesen

Die Digitalisierung und die Ausweitung des Hochschulwesens üben Druck auf das Absenzensystem aus. Es stellen sich Fragen nach dem Wert des Präsenzunterrichts und der Erwachsenengerechtigkeit der Schulregelungen. Die Diskussion ist fast so alt wie die KME selbst. Zu Beginn existierten weder eine Schulordnung noch andere Reglemente. Mit den Studierendenzahlen wuchsen auch die organisatorischen Herausforderungen. Mehrere Studierende wurden wegen zu vieler Absenzen der Schule verwiesen. Nach einem Rekurs gegen den Entscheid mit der Begründung, es gebe keine rechtliche Grundlage für eine Verpflichtung zum Besuch des Unterrichts, stand die KME unter Zugzwang. Für die Studierenden hätte es gereicht, alle Prüfungen zu schreiben. Sie empfanden das Absenzenwesen als Kontrollsystem, das als politisch illiberal und einer Erwachsenenschule nicht angemessen angesehen wurde.

Doch der Gesamtkonvent hielt am Präsenzsystem fest mit der Begründung, die Beurteilbarkeit sei auch von der mündlichen Beteiligung abhängig. Zudem, so der damalige Rektor Philipp Haerle, sei es als Hilfe für Studierende zu verstehen, die sich des Ausmasses ihrer Absenzen selber oft nicht bewusst seien. 1987 arbeitete eine Kommission zehn Modelle aus, um das Problem von «punktuellen Missbräuchen eines sich an Toleranz (nicht Lässigkeit!) messenden Absenzenwesens» zu beheben und eine Verschärfung zu erwirken. Unbestritten war der Ansatz, dass die Lehrpersonen die Gründe für die Absenzen beurteilten.

Vor einigen Jahren forderten Studierende mehr Eigenverantwortung bezüglich des Unterrichtsbesuchs. Ein neues Absenzenreglement sollte auf die Kontrolle der Gründe des Fehlens verzichten. Wegen juristischen Unklarheiten muss nun ein neues System erarbeitet werden. Die Überlegungen rund ums Absenzenwesen an der KME werden sich wohl nach wie vor im Spannungsfeld zwischen dem Wert des Präsenzunterrichts und der Selbstverantwortung an einem Erwachsenengymnasium bewegen.

Pioniere im Umgang mit Computern 

Die ersten Computer schuf die KME bereits anfangs der 80er-Jahre an. Gegen Ende des Jahrzehnts wurde eine Einführung in die Informatik angeboten. Als sich Mitte der 90er die Fachschaft Bildnerisches Gestalten im Jahresbericht vorstellte, warb sie um ein zeitgemässes Verständnis des Fachs mit einem Text über «Das Foto im Zeitalter seiner digitalen Manipulierbarkeit», der heute geradezu avantgardistisch anmutet. Im Schuljahr 2000/2001 ergriff das «Informatik-Fieber» die KME, wie im damaligen Jahresbericht zu lesen war. Die Lehrpersonen erhielten Laptops und stürzten sich im Rahmen einer mittlerweile legendären Weiterbildung auf dem Chaumont «mit vollem Elan in eine Computeroffensive».

«Die Reise in die Dotcom-Welt kann beginnen. Es herrscht echte Aufbruchstimmung.» Im selben Jahr wurden die ersten Laptop-Klassen ins Leben gerufen. In der scherzhaften Bezeichnung «Lapis» für die Geräte drückte sich dennoch ein gewisses Unbehagen gegenüber dieser Neuerung im Schulwesen aus. Es scheint, als ob die KME schon früh auf den Digitalisierungszug aufgesprungen sei, und das Bemühen, zeitgemässen Unterricht anzubieten, zeigt sich deutlich, wenn man die Schulgeschichte betrachtet. Dass die KME in heutigen Digitalisierungsprojekten wie dem Digital Learning Hub eine tragende Rolle spielt, überrascht also nicht. 

Text: Miguel Garcia

Bilder: Studierendenzeitschrift «KMEPost», KME Jahresbericht 1970-1976