Vortrag zur Tierethik vom 28. Februar 2020

Fleisch, Milch, Eier: Wo liegt das Problem?

Von Sandra Indermauer und Ivo Mändli

Genau das fragen sich einige Leute an der KME auch: die Mitglieder der Arbeitsgruppe für nachhaltiges Essen (AGnEs). Sie lädt Markus Wild ein, der als Professor für Philosophie an der Uni Basel arbeitet. Eines seiner Spezialgebiete ist die Tierethik.
Was dürfen wir mit Tieren tun und was nicht? Das ist hier die Grundfrage.

Während z. B. die Tötung eines Menschen als Kapitalverbrechen gilt, bringen wir Tiere zu Tausenden um – ungestraft – und nutzen sie zur Gewinnung von Fleisch. Wie rechtfertigt sich aber die unterschiedliche Behandlung von Mensch und Tier? Dieses Thema gerät zunehmend ins Rampenlicht und viele fordern heute klare Rechte für die Tiere.

In welchem Dilemma wir uns befinden, zeigt Professor Wild am Beispiel der Schlachtung von Schweinen. Hier stehen zwei Verfahren zur Auswahl: Elektro- oder Gasbetäubung.
Das Verfahren mit Gas ist zwar schmerzhaft, aber die Tiere können in Gruppen betäubt werden, was beruhigend wirkt. Auch ist das Prozedere kurz und kostengünstig. Bei der Elektrobetäubung hingegen werden die Schweine einzeln getötet, diese Isolation bedeutet für die Tiere Stress. Ausserdem ist das Verfahren zeitaufwändig und teuer.

Bei richtiger Anwendung ist diese Betäubungsart zwar schmerzlos, doch weil sie anfällig ist für Fehler, leiden die Tiere trotzdem unnötige Qualen. Hinzu kommen Panik und Stress beim Tod durch Ersticken und weitere Schmerzen wegen der Säure, die dabei entsteht.
Der Referent konfrontiert sein Publikum direkt: «Welches Verfahren würden Sie denn jetzt wählen?». Fragt man ihn selber, so ist seine Antwort klar: «Wir können den Konsum von Fleisch auch einfach bleiben lassen.»

Schwierigkeiten gibt es nicht nur beim Fleisch, sondern auch bei Produkten wie Milch und Eier: Legehennen und Milchkühe züchtet man bekanntlich auf möglichst hohe Leistung, was den Organismus aber überfordert und u. a. zu Knochenschmerzen und schweren Schäden der Körperhaltung führen kann.
Gegen Ende des Vortrags wird nochmals deutlich: Uns ist zu wenig bewusst, dass wir den Tieren durch unsere Nutzung Schmerzen und Stress zufügen. Und das ist nur eines der Probleme bei Fleisch, Eiern und Milch. Der Konsum solcher Produkte ist deshalb keine Privatangelegenheit, sondern muss öffentlich diskutiert werden.

Über siebzig Interessierte haben den Vortrag gehört und viele nehmen an der anschliessenden Diskussion teil. Das Thema beschäftigt die Leute und der Referent beantwortet ihre Fragen zur Problematik von Fischzuchten, Fleisch aus dem Labor oder veganer Ernährung von Haustieren.
Am Schluss bedankt sich das Publikum bei Professor Wild mit grossem Applaus.

 

Vortag verpasst? Hier klicken: Vortrag von Markus Wild vom 28.02.2020

Text: Sandra Indermauer und Ivo Mändli
Bilder: Ivo Mändli