Theater

«Lieblingsmenschen und andere Zufälle» an der KME – fürchterlich jugendlich

Von Jessica Soland (G5e)

Das Stück «Lieblingsmenschen» von Laura de Weck, interpretiert und gespielt durch die Theatergruppe der KME, handelt von der Jugend. Die Inszenierung von Klaus Nürnberg nimmt Themen wie Liebe, Studium und Partys auf und schmückt sie mit unangenehm peinlichem Smalltalk und Handy-Nachrichten, bei denen Satzzeichen vorgelesen werden. Im Laufe des Abends entwickelt sich das anfänglich zusammenhanglos erscheinende Stück jedoch zu einer Darstellung mit hohem Wiedererkennungswert.

Lieblingsmenschen. Der Name ist Programm. In dem Stück geht es um die Beziehungen und Freundschaften zwischen jungen Menschen, um ihren Umgang mit der heutigen Leistungsgesellschaft, um Klatsch und Tratsch und schliesslich darum, wie Niederlagen verarbeitet werden. Die Inszenierung spricht die Sprache der heutigen Jugend und begeistert die Zuschauenden vor allem durch ihr enormes Identifikationspotential.

«Die Bilder, welche gezeichnet werden, sind keineswegs verzaubert oder märchenhaft.»

In Dialogen und Monologen bringt uns Nürnbergs Inszenierung das Leben der vier Hauptdarstellerinnen und Hauptdarsteller näher. Die Bilder, welche gezeichnet werden, sind keineswegs verzaubert oder märchenhaft. Sie beschreiben die knallharte, nackte Realität mit all den unsinnigen Dramen. Zum einen ist da Darius, der seine Abschlussprüfungen leider nicht bestanden hat. Dafür bricht er bei Annas Eltern ein und schläft mit Lili. Für Jule, die Ex-Freundin von Darius, ist das «voll okay», denn sie ist nicht eifersüchtig. Also eigentlich schon, denn das ist ja klar, aber das muss man nicht sagen, das weiss man ja.

Sven nervt irgendwie alle, und Anna schreibt man nur zurück, um ihr zu sagen, dass man am Abend doch keine Zeit hat. Und dann gibt es da noch Annas Freund Phillip, der immer nur lernt und dessen Sozialleben völlig verkümmert. Identifikation auf voller Linie, vor allem in den Prüfungsphasen an der KME.
Die anfänglichen Schwierigkeiten, dem Ablauf des Stücks zu folgen, liegen wohl an der Mehrfachbesetzung gewisser Figuren. Sie wurden durch eine jeweils einheitliche Farbe der Kostüme gekennzeichnet. Die Kostüme selbst waren sehr hübsch, erfüllten ihren Kennzeichnungszweck aber nur teilweise.

Eine anfängliche Kommunikation des Erkennungsmerkmals hätte für die Zuschauer einiges erleichtert. Das Bühnenbild hat seine Funktion mehr als erfüllt. Es wirkt stimmig und zweckmässig. Für jede Szene wird ein passender Raum geschaffen, welcher von den Darstellerinnen und Darstellern künstlerisch ideal genutzt werden konnte. Ihre schauspielerische Leistung überzeugte vor allem durch Authentizität, was sicherlich auch an der passenden Auswahl des Stücks lag. Leidenschaft und Textsicherheit scheinen in der Theatergruppe der KME an der Tagesordnung zu liegen.

 

Ich bedanke mich bei der Theatergruppe und allen Beteiligten für einen unterhaltsamen Abend und gratuliere zu dieser gelungenen Umsetzung.

 

Text: Jessica Soland, G5e
Bilder: Roberto Huber