Normalerweise werden die Lesungen an der KME von externen Autor:innen bestritten. Diesmal präsentierten zwei Lehrerinnen ihr Schaffen. Die Lateinlehrerin Anne Broger und die Biologielehrerin Meret Gut trugen ihre Gedichte vor, die von Jahreszeiten über zeitlose Themen wie Trost und Hoffnung bis zu ihren jeweiligen Fachgebieten reichten.
Die folgenden Worte stammen nicht von einem Dichter, sondern vom britischen Maler David Hockney, aber sie bringen genau das zur Sprache, was in meinen Augen bei jeder Lesung wesentlich ist:
Art is about sharing. You wouldn’t be an artist unless you wanted to share an experience, a thought.
Ganz im Sinne dieser Worte und in schönem Kontrast zum regnerisch-kalten Maitag liessen uns die beiden gleich zu Beginn vorgetragenen Gedichte von Meret Gut und Anne Broger an Frühlingsgedanken und -erfahrungen teilhaben – mit Titeln wie:
Frühling, endlich Frühling – Your soul is free, now is the time to be (M.Gut)
Frühlingsrausch (A.Broger)

Dann führten uns die Verse zum Sommer:
Den Fluss hinunter / künftigen Erinnerungen entgegen (A.Broger)
und zum Wasser:
Schuppen klebe ich mir an, lasse mich / treiben unter Weiden und Erlen, glänzend / im Grün des Wassers, darin sternt die Sonne. (M.Gut)
Weitere Stationen der Lesung, bei der die beiden Lyrikerinnen abwechselnd vortrugen, waren zunächst zeitlosen Themen gewidmet: Lyrik als Hoffnung, Heilendes und Tröstliches, um dann zu Gedichten zu kommen, in denen sich Probleme der Gegenwart wie auch die Fachgebiete ihrer Lehrerinnentätigkeit – bei M. Gut die Biologie, bei A. Broger die Antike – spiegelten:
Wie kann ich leben ohne Wurzeln / wie kann ich gehen mit Wurzeln. (M. Gut)
Wie ich zu Kyros / Xerxes, Artaxerxes blickte / als ob sie es verdienten / so zu den Etruskern (A. Broger)

Es waren insgesamt 25 Gedichte, die die beiden Autorinnen dem zahlreichen Publikum in der ersten halben Stunde präsentierten. Dabei spürte man die feinfühlige Verbundenheit der zwei Leserinnen. Der zweite Teil der Veranstaltung ermöglichte es dem interessierten Publikum, mit den Autorinnen ins Gespräch zu kommen.
Es wurden dabei viele Fragen gestellt, einerseits solche, die Konkretes berührten wie etwa: Schreibt ihr Gedichte noch in anderen Sprachen? Woran erkennt ihr, dass ein Gedicht fertig ist?; und anderseits auch solche, die auf Allgemeines beim Schreiben abzielten: Spielt das Ideal der Vollkommenheit beim Schreiben von Gedichten eine Rolle? Wie fühlt es sich an, das Innere nach aussen zu kehren?
Zur Abrundung dieser in sich stimmig gestalteten Sessellesung gab es je eine Zugabe. M. Gut überraschte mit einem schweizerdeutschen Gedicht, dessen drei letzte Verse lauten:
Also pass uf, fang hüt na ah, / am Änd vom Läbe / muesch au diis Herz erobert ha.
Und A. Broger trug ihr launiges Gedicht Behende vor, das mit den Versen endet:
Auf Händen geh ich dann / nachhaus.
Was wir denn auch alle – nachdem von der Mediothekarin Yolanda Püntener die Dankesworte ausgesprochen und von ihrer Kollegin Nicole Zweifel sowie von der Vertreterin des SLZ Valeria Badilatti die Blumen überreicht worden waren – beschwingt und behende taten.